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  • Innenraumperspektive

  • Innenperspektive

  • Nordhorn _ Längsschnitt AA

  • Nordhorn _ Querschnitt

  • St Augustinus _ Grundriss

  • Beichtkapelle _ Plan, Schnitt, Ansicht

  • St. Augustinus Nordhorn

    Direktauftrag / 2021
    Königs Architekten Köln: Ulrich Königs, Ilse Königs, Finn Gundermann, Baraa Shareet, Andreas Schneider, Robert Gierens

    Leitbild zur Umgestaltung des Kircheninnenraumes

    Erläuterung der Entwurfsplanung

    Die von außen homogen ziegelrote Backsteinkirche St. Augustinus wurde zwischen 1911 -1913 räumlich als Zentralbau errichtet. Durch eine rechteckige Vorhalle wird ein oktogonaler Raum erschlossen, der mit einer 35 m hohen Kuppel überwölbt wird, durch 6 strahlenförmige Gliederungsbänder betont und durch einen deutlich niedrigeren Umgang begleitet wird. Gegenüber der Vorhalle befindet sich, ausnahmsweise nach Süden ausgerichtet, ein rechteckiger Chorraum, der ursprünglich den Hochaltar beinhaltete.

    Die Belichtung des Raumes erfolgt sowohl durch einen relativ kleinen Oculus in der Kuppelmitte als auch durch Obergaden-Fenster in mittlerer Höhe des Oktogonraumes. Die natürliche Belichtung reicht räumlich und atmosphärisch nicht für ein zufriedenstellendes Ergebnis nach heutigem Raumempfinden aus. Ebenso ist die Raumakustik seit der Inbetriebnahme problematisch und wurde durch Maßnahmen in Form von absorbierenden Verkleidungselementen kompensiert.

    Da sich der Innenraum der Kirche nach zahlreichen Überformungen und Umgestaltungen sehr inhomogen und in seiner Innenraumgestaltung nicht nur farblich unharmonisch präsentiert und zudem akustisch und lichttechnisch sowie insgesamt einer dringenden Renovierung bedarf wurden wir aufgefordert ein visionäres, grundlegendes Konzept mit Leitbild für die Renovierung aufzustellen.

    Unsere vorgeschlagenen Maßnahmen verfolgen primär zwei Ziele: Erstens die Hervorhebung der Außergewöhnlichkeit und Schönheit des vorhandenen Gebäudes unter Bewahrung des denkmalwürdigen Bestandes und zweitens die Ermöglichung eines zeitgemäßen, zukunftsorientierten Nutzungskonzeptes für ein lebendiges Gemeindeleben im kirchlichen sowie im konzertanten Bereich.

    Unser Entwurf setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die im Idealfall ihre optimale Wirkung im gegenseitigen Zusammenwirken erzielen. Die Komponenten sind jedoch nicht hierarchielos und in unterschiedlichen Abhängigkeiten zueinander befindlich. Einzelne Komponenten sind demzufolge gegebenenfalls aus der Gesamtmaßnahme herauslösbar, ohne die angestrebten Gesamteindruck dabei wesentlich zu verändern.

     

    Der Zentralbau – liturgische und architektonische Zentrierung

    Eine durch den vorhandenen charakteristischen Zentralraum und durch die Leitlinien des zweiten vatikanischen Konzils naheliegende Maßnahme ist die Herstellung einer auf die Mitte zentrierten, kreisförmigen liturgischen Anordnung.

    Wir schlagen entsprechend der von Rudolf Schwarz entwickelten Terminologie den „offenen Ring“ vor. Deren auffälligstes Merkmal ist der frei im Raum liegende liturgische Bereich mit den Prinzipalien und das um diesen herum sich in einem Winkel von ca. 270° entwickelnde neue Gestühl. Dem Kreisverlauf folgende gebogene Sitzbankreihen in sechs Segmenten bilden den offenen Ring.

    In der zentralen Kreisfläche bilden eine niedrige Taufschale und der Altar die liturgischen Schwerpunkte aus. Der Altar wird einerseits flankiert vom Ambo und andererseits vom Vortragekreuz (in einer Bodenhülse) Der Tabernakel und Evangeliar werden an den beiden Diagonalstrahlen angeordnet. Optional kann eine kreisförmige Altarstufe ausgebildet werden.

     

    Der Vorraum – die Antoniuskapelle

    Der Vorraum soll eine gläserne Abtrennung zum Zentralraum erhalten, um als großzügiger Windfang und Vorbereich mit Schriftenständen zu dienen. Visuell kann von dort über die Sichtachse der mittigen Hauptwegeführung die Taufschale, der Altar und das Triumphkreuz in linearer Abfolge erlebt werden, ohne dabei die kreisförmige Zentrierung zu konterkarieren. Es wäre denkbar, zu bestimmten Zeiten den Vorraum zugänglich zu halten und einen Einblick in den Zentralraum möglich zu machen, der weitere Zutritt jedoch verwehrt wird.

    Die vom Vorraum aus zugängliche achteckigen Kapelle soll als Augustinus-Kapelle gestaltet werden: Die Figur des hl. Augustinus soll mittig auf einer runden Stele aufgestellt werden und die beiden Kupfernen Reliefs aus der Kanzel sollen symmetrisch in die Wände angebracht werden.

     

    Der Umgang – die Marienkapelle – der Beichtraum

    Der Besucher kann nach Durchschreiten der Glastüren links oder rechts den umlaufenden Umgang durchwandern, in dem die Kreuzwegbilder und Apostelleuchter nach wie vor in neuem Licht an den Wänden zu betrachten sind. Vom dort kann er in jedem Segment wahlweise in die Mitte schreiten, um seinen Platz einzunehmen oder barrierefrei über einen leicht ansteigenden Weg die Werktagskapelle im ehemaligen Hochaltar-Bereich erreichen. Die Marienkapelle auf der einen und ein Beichtraum auf der anderen Seite sind in den bestehenden konchenartigen Aufweitungen des Umganges zu besuchen. Der Weg ist prozessual angelegt und frei von störenden Einbauten. Die Reihenfolge des Kreuzweges, (dessen bisherige Hängung beim Sakristeieingang beginnt) soll vom Eingang her rundum geführt werden. Dort wo die Rampe ansteigt bieten im Übergang zum Zentralraum massive, gepolsterte Podeste weitere Sitzmöglichkeiten.

     

    Der Hochaltarbereich – die Werktagskapelle

    Der ehemalige Hochaltarbereich wird mit einer gläsernen ca. 4,0 m hohen Trennwand Wand abgetrennt, die sich wie ein Vorhang zur Hälfte nach links und zur Hälfte nach rechts zur Seite öffnen lässt. Die Glastrennwand ist in unterschiedlichen Gradationen mittels Siebdruckverfahren weiß bedruckt, wobei der gespiegelte Bogenverlauf mit horizontalen Streifen dargestellt werden in ihrer Durchsichtigkeit eingeschränkt.

     

    Die Rückwand und Seitenwände werden ebenfalls ca. 4.0 m hoch mit akustisch wirksamen Holzpaneelen verkleidet, die Seitenwandverkleidung verbirgt zudem eine Wandheizung. Die Apostelfiguren werden in bogenförmige ca. 16 cm tiefe Nischen in die Rückwand integriert und beleuchtet.

    Ein kleiner Nebenaltar, eine flexible Bestuhlung, die Werktagsorgel und eine separat steuerbare Fußbodenheizung erlauben unterschiedliche Nutzungsszenarien, für Werktags- und Kindergottesdienste, zur Kommunionsvorbereitung, für Chorproben, zu Gesprächskreisen, als Bühnenraum oder auch als erweiterter Zuschauerraum

     

    Die Orgelempore

    Die bestehende Orgel verbleibt am bisherigen Standort, sie wird aufgearbeitet und ggf. um ein Schwellwerk und weitere Register erweitert. Ein verschieblicher Spieltisch wird im Zentralraum auf der Erdgeschoßebene platziert, so dass der Organist von dieser Stelle einen Chor leiten kann, der ebenfalls zukünftig im Zentralraum Aufstellung finden wird. Die technischen Voraussetzungen für die Trennung von Spieltisch und Orgelprospekt sind gegeben, zur Klangkontrolle für den Organisten kann der Spieltisch zusätzlich integrierte Pfeifenreihen enthalten. Bei einer sehr großen Besucheranzahl können auf der Orgelempore weitere Sitzplätze angeboten werden. Hierzu kann ein Stufenpodest für Stühle nachgerüstet werden.

     

    Die Kuppel  –  die Wandflächen

    Die ca. 22 m hohe, achtgliedrige Kuppel mit ihrem Durchmesser von ca. 22 m aus Stahlbeton in Skelettbauweise mit Querbalken wird von 8 Eckpfeilern getragen. Für 1913 war dies eine sehr fortschrittliche Konstruktion. Auf dem Kuppelmittelpunkt schneidet die achteckige Laterne ein Okulus aus. Sie ist 4,0 m hoch bis zur Dachhaut und beinhaltet darüber noch eine ca. 2,36 m hohe Fensterzone.  Auf der Betonkuppel liegt eine hölzerne Außenkuppel auf einem hölzernen Dachstuhl der die kupferne Dachhaut trägt.

    Gestalterisch soll innen die Erfahrbarkeit der Kuppel als zentrierender Ort beruhigt und gestärkt werden. Neben der Intensivierung der Lichtführung und Ausleuchtung aus kleinen Ausschnitten in der Kuppel kommt der farblichen Ausgestaltung der Kuppel eine wesentliche Bedeutung zu. Die vorhandenen Kassetten werden in ihrer Schattenwirkung als Relief die Kuppel gliedern, aber harmonisch in der gesamten sandfarbigen Farbgebung bleiben.

    Das Kuppelzelt wird nach dem Übergang zur vertikalen Wandfläche von bogenförmigen Feldern gegliedert. Oben liegen in sechs Feldern Obergaden Fenstergruppen, darunter ein 1920 angebrachten Wandbilderzyklus und darunter die Bogenöffnungen des Umganges. Diese bogenförmigen Wandfelder werden durch den Bilderzyklus optisch unterbrochen und sollen durch eine gleiche Farbgebung oberhalb und unterhalb gestalterisch wieder zusammengeführt werden. Diese Maßnahme hat vor allem zum Ziel, dass dem Materialmix in Inneren entgegengewirkt wird und dem homogenen Äußeren eine Entsprechung im Inneren folgt. Zudem wird die entsprechende Beleuchtung wird die Blendwirkung der Fenster abmildern.